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Was ist Impact?

Impact ist das neue Innovation: Kaum ein Fonds kommt ohne das Wort aus. Ein Blick auf Herkunft und Grenzen des Begriffs und auf die Frage, woran sich Wirkung im Gesundheitswesen messen lassen muss.

Von PD Dr. med. Tobias Schäfer, M.Sc. ·

„Additionality, to whatever extent it is estimated, is an essential criterion for impact.“

Brest & Born 20136

Ein Schlagwort für Kapital

Was „Innovation“ für Produkte ist, ist „Impact“ für Kapital geworden. Kaum ein Fonds, kaum ein Start-up, das nicht mit Wirkung wirbt. Der Markt ist groß: Das Global Impact Investing Network (GIIN) schätzt das weltweit als Impact Investments verwaltete Vermögen für 2024 auf rund 1,57 Billionen US-Dollar2.

Was aber ist Impact? Das GIIN definiert Impact Investments als Investitionen, die mit der Absicht getätigt werden, neben einer finanziellen Rendite eine positive, messbare soziale und ökologische Wirkung zu erzielen1. Zwei Wörter tragen diese Definition: Absicht und messbar. Absicht lässt sich erklären, Messbarkeit muss man belegen. Genau an dieser Stelle trennt sich Wirkung von Marketing.

Woher der Begriff kommt

Das Denken in Wirkung stammt aus der Entwicklungszusammenarbeit und der Evaluationsforschung. Sein Kern ist die Wirkungskette: Aus eingesetzten Mitteln (Input) werden Aktivitäten, daraus messbare Leistungen (Output), daraus Veränderungen bei den Menschen (Outcome) und schließlich eine Veränderung in der Gesellschaft (Impact). Die „Theory of Change“ beschreibt, warum der eine Schritt zum nächsten führen soll.

Die Wirkungskette

  1. InputKapital, Team, Know-how
  2. AktivitätEine Diabetes-App wird entwickelt und eingeführt
  3. Oft berichtetOutput50.000 Downloads
  4. EntscheidendOutcomeBessere Blutzuckerwerte bei den Nutzenden
  5. ImpactWeniger Folgeerkrankungen, mehr Lebensqualität
Beispiel zur Veranschaulichung. Viele Impact-Berichte enden beim Output; Wirkung zeigt sich erst bei Outcome und Impact.

Für Investoren hat das Impact Management Project dieses Denken in fünf Dimensionen übersetzt: Welche Wirkung entsteht (What)? Bei wem (Who)? Wie viel davon (How Much)? Was ist der eigene Beitrag (Contribution)? Und wie groß ist das Risiko, dass die Wirkung ausbleibt (Risk)?3 Mit IRIS+ stellt das GIIN dazu einen Katalog von Kennzahlen bereit1.

Seit 2021 hat der Begriff in Europa auch eine regulatorische Seite. Die Offenlegungsverordnung (SFDR) unterscheidet Fonds, die ökologische oder soziale Merkmale bewerben (Artikel 8), von solchen, die nachhaltige Investitionen zum Ziel haben (Artikel 9)4. Artikel 9 gilt im Markt seither als das „Impact-Siegel“, obwohl die Verordnung selbst kein Gütesiegel sein will.

Wo es hakt

Wie dünn das Etikett sein kann, zeigte sich Ende 2022. Als die Anforderungen an die Offenlegung konkreter wurden, stuften Fondsgesellschaften innerhalb eines Quartals 307 Artikel-9-Fonds mit rund 175 Milliarden Euro Vermögen auf Artikel 8 herab, etwa 40 Prozent der Kategorie5. Die Fonds hatten sich nicht verändert, nur ihr Anspruch.

Drei Probleme ziehen sich durch die Praxis:

  • Output statt Outcome. Berichtet wird, was sich leicht zählen lässt: erreichte Nutzer, verkaufte Geräte, eröffnete Standorte. Ob es den Menschen danach besser geht, bleibt offen.
  • Fehlender Vergleich. Wirkung ist immer ein Unterschied zu dem, was ohnehin passiert wäre. Ohne Vergleichsgruppe misst man den Trend, nicht den Beitrag.
  • Fehlende Additionalität. Paul Brest und Kelly Born unterscheiden die Wirkung eines Unternehmens von der Wirkung einer Investition6. Ein gutes Unternehmen zu finanzieren, das ohnehin Kapital bekommen hätte, verändert wenig. Wirkung entsteht dort, wo das Kapital einen Unterschied macht.

Und in der Medizin?

Die Medizin hat, wonach Impact Investing noch sucht. Seit Jahrzehnten arbeitet sie mit Vergleichsgruppen, Randomisierung und harten Endpunkten. In Deutschland müssen neue Arzneimittel seit 2011 in der frühen Nutzenbewertung zeigen, dass sie gegenüber einer zweckmäßigen Vergleichstherapie einen Zusatznutzen haben7. Maßstab ist der patientenrelevante Effekt: ein besserer Gesundheitszustand, eine kürzere Krankheitsdauer, ein längeres Überleben, weniger Nebenwirkungen oder eine bessere Lebensqualität8. Für Medizinprodukte verlangt die europäische Medizinprodukteverordnung (MDR) eine klinische Bewertung auf Grundlage klinischer Daten9.

Trotzdem enden viele Impact-Berichte im Gesundheitsbereich beim Output. Die Maßstäbe, an denen sich jedes Medikament messen lassen muss, spielen in der Bewertung von Gesundheitsinvestitionen oft keine Rolle. Warum eigentlich nicht?

Unser Verständnis von Impact im Gesundheitswesen

Für uns ist Impact im Gesundheitswesen kein Etikett, sondern eine Hypothese, die man prüfen kann und prüfen muss. Ihr Maßstab ist derselbe wie in der Medizin: nachweisbarer Nutzen für Patientinnen und Patienten, gemessen an dem, was ohne die Investition geschehen wäre.

Daraus folgen drei Prüffragen, die jede Investition in Gesundheit beantworten sollte:

  1. Welches Versorgungsproblem wird gelöst? Nicht welche Technologie eingesetzt wird, sondern welcher Bedarf in der Versorgung besteht.
  2. Welcher Endpunkt belegt die Verbesserung? Patientenrelevante Outcomes statt Reichweite, mit einem Vergleich zur heutigen Versorgung.
  3. Was ändert dieses Kapital? Ehrlich zur Additionalität: Wo macht die Investition den Unterschied?

Wirkung, Regulatorik und Finanzierung gehören dabei von Anfang an zusammen. Ein Evidenzplan, der den Weg durch MDR oder Nutzenbewertung vorwegnimmt, ist nicht nur ein Wirkungsnachweis, sondern auch ein Werttreiber. Wer früh weiß, welchen Nutzen er belegen muss, baut bessere Produkte und belastbarere Finanzmodelle. Mit unserem Fund Advisor machen wir diese Fragen zu einem offenen Maßstab, den alle nutzen können, und begleiten gemeinwohlorientierte Vorhaben dabei, ihn zu erfüllen.

Quellen

  1. Global Impact Investing Network (GIIN). What is impact investing? Sowie IRIS+. thegiin.org
  2. GIIN. Sizing the Impact Investing Market 2024. Bericht dazu: ImpactAlpha
  3. Impact Frontiers. Five Dimensions of Impact (entwickelt im Impact Management Project). impactfrontiers.org
  4. Verordnung (EU) 2019/2088 über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor (SFDR). EUR-Lex
  5. Morningstar: 175 Mrd. Euro an Artikel-9-Fonds im vierten Quartal 2022 herabgestuft. Paperjam, 2023. paperjam.lu
  6. Brest, P. & Born, K. When Can Impact Investing Create Real Impact? Stanford Social Innovation Review, 2013. ssir.org
  7. § 35a SGB V – Bewertung des Nutzens von Arzneimitteln mit neuen Wirkstoffen. gesetze-im-internet.de
  8. § 2 Arzneimittel-Nutzenbewertungsverordnung (AM-NutzenV). gesetze-im-internet.de
  9. Verordnung (EU) 2017/745 über Medizinprodukte (MDR). EUR-Lex